· Mehdi Aroui · Medical IT  · Lesedauer von ca. 6 Min.

Zimmer DiagnostikSuite in der Praxis einrichten: Schritt für Schritt

Zimmer DiagnostikSuite verbindet EKG, Spirometrie, Langzeit-Blutdruck und Ultraschall direkt mit dem Praxisverwaltungssystem. Ein Leitfaden zu Voraussetzungen, GDT-Anbindung, DSGVO-Pflichten und typischen Fallstricken aus der Praxis-IT-Betreuung.

Zimmer DiagnostikSuite verbindet EKG, Spirometrie, Langzeit-Blutdruck und Ultraschall direkt mit dem Praxisverwaltungssystem. Ein Leitfaden zu Voraussetzungen, GDT-Anbindung, DSGVO-Pflichten und typischen Fallstricken aus der Praxis-IT-Betreuung.

Wenn Diagnostikgeräte und Praxisverwaltungssystem nicht miteinander reden, entstehen Medienbrüche: Papierbefunde, manuelle Eingaben, doppelte Dokumentation. Die Zimmer DiagnostikSuite von Zimmer MedizinSysteme schließt diese Lücke und überträgt Messergebnisse direkt in die Patientenakte. Was das in der Praxis bedeutet und worauf Sie bei der Einrichtung achten müssen, erklärt dieser Leitfaden.

Was die Zimmer DiagnostikSuite leistet

Die DiagnostikSuite ist eine modulare Windows-Software, die unterschiedliche Messgeräte einer Praxis unter einer gemeinsamen Oberfläche zusammenführt. Verfügbare Module sind das 12-Kanal-EKG einschließlich Langzeit-EKG und Ergometrie, der 24-Stunden-Langzeit-Blutdruck, die Spirometrie für Lungenfunktionsmessungen sowie bildgebende Ultraschallgeräte aus dem Zimmer-Portfolio (Sonido, SonoSys).

Das Lizenzmodell ist praxisfreundlich: Nur die Module, die tatsächlich genutzt werden, werden lizenziert. Erweiterungen sind später jederzeit möglich, ohne die gesamte Installation neu aufzusetzen.

Systemvoraussetzungen: was vor der Installation zu klären ist

Die Mindestanforderungen laut Zimmer-Gebrauchsanweisung (Vertrauensstufe mittel, Stand aktuelle Dokumentation):

KomponenteAnforderung
BetriebssystemWindows 10 (32/64 Bit), aktuelle Versionen unterstützen Windows 11
ProzessorIntel Dual Core ab 1,6 GHz oder vergleichbares AMD-Modell
Arbeitsspeicher2 GB Minimum, 4 GB empfohlen besonders bei parallelem EKG und Spirometrie
Festplattenplatz5 GB für Software und lokale Messdaten
Bildschirmauflösung1280 x 1024, 16-Bit-Farbe
GeräteschnittstelleUSB 2.0 oder höher

Für den Netzwerkbetrieb gilt: Die DiagnostikSuite ist netzwerkfähig. Messungen lassen sich am Diagnose-Arbeitsplatz aufnehmen und an anderen Rechnern befunden. Das setzt ein stabiles LAN mit mindestens 100 Mbit/s voraus, da die Software auf freigegebene Ordner zugreift. WLAN reicht für die Befundansicht, nicht aber für die direkte USB-Gerätekopplung.

Ein wichtiger Punkt: Das Messgerät muss stets am lokalen Arbeitsplatz angesteckt sein, nicht an einem Server. Virtualisierte Desktops (VDI) eignen sich nicht für die Direktkopplung mit USB-Geräten.

GDT-Anbindung: der Datenpfad zwischen Gerät und PVS

Der Datenaustausch zwischen DiagnostikSuite und Praxisverwaltungssystem läuft über die GDT-Schnittstelle (Gerätedaten-Träger), dem deutschen Branchenstandard für die Praxisverwaltung. Der Ablauf in vier Schritten:

  1. Das PVS schreibt Patientenstammdaten in eine GDT-Auftragsdatei.
  2. Die DiagnostikSuite liest diese Datei, öffnet den korrekten Patientenkontext und startet die Messung.
  3. Nach Abschluss schreibt die DiagnostikSuite das Ergebnis in eine GDT-Rückgabedatei.
  4. Das PVS liest die Rückgabedatei und bucht den Befund automatisch in die Patientenakte.

Damit dieser Kreis funktioniert, müssen in der DiagnostikSuite und im PVS dieselben Import- und Exportpfade eingetragen sein. Ein einzelner Tippfehler im Pfad genügt, um den Datenaustausch still zum Erliegen zu bringen. Empfehlung: UNC-Pfade oder freigegebene Netzwerkordner verwenden statt Laufwerksbuchstaben, die je nach Windows-Anmeldesession variieren können.

Gängige PVS-Systeme, die über GDT mit der DiagnostikSuite arbeiten, sind MEDISTAR, Turbomed, x.comfort, CGM ALBIS und Systmone. Welche GDT-Version das eigene System spricht (GDT 2.1 oder GDT 3.0), steht im Handbuch des PVS-Anbieters. Die DiagnostikSuite unterstützt beide Varianten, muss aber passend konfiguriert sein.

Wer möchte, dass die DiagnostikSuite automatisch startet, sobald ein GDT-Auftrag eingeht, kann das Hilfsprogramm ZStarter direkt bei Zimmer anfordern. Es überwacht das Importverzeichnis und öffnet die Anwendung bei Eingang einer neuen Datei.

Typische Installationsprobleme und ihre Ursachen

Benutzerrechte. Die DiagnostikSuite benötigt Schreibrechte auf ihre Datenbankordner und die GDT-Verzeichnisse. Standard-Windows-Nutzerkonten ohne lokale Administratorrechte können die Software nicht installieren. Vor dem Termin sollte geklärt sein, wer welche Rechte hat.

Antivirusprogramm und Windows Defender. Echtzeit-Scanner blockieren manchmal GDT-Dateioperationen, weil die Software sehr schnell Dateien schreibt und wieder löscht. Das Symptom: Alles scheint zu funktionieren, aber kein Datenaustausch findet statt. Die GDT-Verzeichnisse als Ausnahme im Antivirusprogramm einzutragen löst dieses Problem zuverlässig.

Gerätetreiber. Ältere Zimmer-Geräte nutzen RS-232-Seriellverbindungen, neuere USB. Bei USB-Geräten muss der passende Treiber installiert sein, bevor die DiagnostikSuite das Gerät erkennt. Die Treiber sind im Gerätelieferumfang enthalten oder auf der Zimmer-Website verfügbar.

Datenbankpfad nach einem PC-Wechsel. Wird die DiagnostikSuite auf einen neuen Rechner umgezogen, zeigt die frische Installation zunächst auf eine leere Datenbank. Die Altdatenbank muss manuell gesichert und als Pfad in der neuen Installation eingetragen werden. Ohne diesen Schritt sind historische Messdaten nicht verloren, aber auch nicht sichtbar.

Windows-Firewall im Netzwerkbetrieb. Greifen mehrere Arbeitsplätze auf eine gemeinsame Datenbank zu, muss die Freigabe des Datenbankordners in der Windows-Firewall gestattet sein. Der Konfigurationsassistent der DiagnostikSuite prüft das nicht automatisch.

DSGVO-Pflichten bei Messdaten

Messdaten aus der DiagnostikSuite sind Patientendaten nach Art. 9 DSGVO (besondere Kategorien personenbezogener Daten). Daraus folgen konkrete Pflichten:

  • Laufwerkverschlüsselung: Bei Laptop-Arbeitsplätzen und mobilen Geräten muss das Laufwerk verschlüsselt sein, zum Beispiel per BitLocker, damit bei Verlust oder Diebstahl keine Daten offenliegen.
  • Zugriffskonzept: Praxen im Anwendungsbereich von §75b SGB V (jetzt §390 SGB V) benötigen ein dokumentiertes Berechtigungskonzept, das festhält, wer auf die DiagnostikSuite zugreifen darf.
  • Backup: Die Datenbank muss in das reguläre Praxis-Backup eingebunden sein. Das funktioniert auch mit dem Standard-Windows-Backup, sofern der Pfad korrekt konfiguriert ist.
  • Auftragsverarbeitungsvertrag: Läuft die Software auf Infrastruktur eines externen IT-Dienstleisters, ist ein AVV nach Art. 28 DSGVO erforderlich.

Alles Weitere zur DSGVO-konformen Praxis-IT finden Sie auf unserer Seite zu IT-Sicherheit und Expertise für Praxen.

Einweisung der MFA nicht vergessen

Die technische Einrichtung ist erledigt, die Software läuft. Aber erst wenn das Praxisteam sicher mit der DiagnostikSuite umgeht, zahlt sich die Investition aus. Drei Punkte, die sich in der Praxis bewähren:

Eine kurze, messtyp-spezifische Checkliste am Messplatz hilft in den ersten Wochen erheblich. Medizinische Fachangestellte sollten außerdem wissen, welche Schritte bei Verbindungsproblemen sinnvoll sind, bevor der IT-Dienstleister kontaktiert wird: Kabel prüfen, USB-Port wechseln, Anwendung neu starten. Den GDT-Workflow zwischen PVS und DiagnostikSuite sollte ein erfahrener Dienstleister einmal live vorführen, weil schriftliche Anleitungen allein diesen Prozess selten ausreichend erklären.

Wann lohnt eine professionelle Ersteinrichtung?

Eine sorgfältige Ersteinrichtung durch einen erfahrenen IT-Dienstleister dauert typischerweise zwei bis vier Stunden, abhängig von der Anzahl der Messmodule und der PVS-Komplexität. In dieser Zeit werden GDT-Konfiguration, Treiberinstallation, Antivirusprogramm-Ausnahmen, Backup-Anbindung, Zugriffsrechte und eine Kurzeinweisung des Teams erledigt.

Probleme, die danach noch auftreten, haben häufig ihre Ursache in PVS-seitigen Konfigurationsänderungen, die der PVS-Anbieter selbst behebt. Die DiagnostikSuite selbst ist, einmal korrekt eingerichtet, stabil und wartungsarm.

Netzleiter ist KBV-zertifizierter IT-Dienstleister und übernimmt als Hamburger Systemhaus hinter Medical IT die Einrichtung und laufende Betreuung von Zimmer-DiagnostikSuite-Installationen in Arztpraxen in Hamburg und der Metropolregion. Mehr zu den Leistungen im Bereich Geräteanbindung und Praxis-IT finden Sie auf unserer Expertise-Seite.

Häufige Fragen

Welche Messgeräte bindet die Zimmer DiagnostikSuite ein? Die DiagnostikSuite unterstützt EKG (Ruhe-EKG, Langzeit-EKG, Ergometrie), 24-Stunden-Langzeit-Blutdruck, Spirometrie und bildgebenden Ultraschall (Sonido, SonoSys). Lizenziert werden nur die tatsächlich benötigten Module.

Funktioniert die GDT-Anbindung mit unserem PVS? Die DiagnostikSuite unterstützt GDT 2.1 und GDT 3.0. Gängige PVS wie MEDISTAR, Turbomed, x.comfort, CGM ALBIS und Systmone lassen sich anbinden. Welche GDT-Version Ihr PVS spricht, entnehmen Sie dem jeweiligen Handbuch des PVS-Anbieters.

Kann die Software auf mehreren Arbeitsplätzen gleichzeitig genutzt werden? Ja. Die DiagnostikSuite ist netzwerkfähig. Messungen werden am Diagnose-Arbeitsplatz aufgezeichnet und können an anderen Netzwerk-Rechnern geöffnet, ausgewertet und befundet werden. Voraussetzung ist ein stabiles LAN mit mindestens 100 Mbit/s.

Müssen beim Einsatz eines IT-Dienstleisters DSGVO-Verträge geschlossen werden? Ja. Läuft die DiagnostikSuite auf Infrastruktur, die ein externer Dienstleister betreibt oder betreut, ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO erforderlich.


Weiterlesen aus unserem Praxis-IT-Blog:

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