· Mehdi Aroui · Medical IT · Lesedauer von ca. 6 Min.
TI-Anbindung der Arztpraxis: so läuft der Anschluss ab
Die Technik der TI-Anbindung ist an einem Tag erledigt, der Weg dorthin dauert Wochen. Wer welchen Schritt verantwortet, wie lange die Wartezeiten wirklich sind und woran der Anschluss in der Praxis regelmäßig hängen bleibt.

Der Einbau selbst ist unspektakulär. Konnektor anschließen, Kartenterminals verbinden, Karten freischalten, testen. Ein Arbeitstag, in vielen Praxen weniger. Was den TI-Anschluss trotzdem regelmäßig über Wochen zieht, sind die Schritte davor, und die liegen zum größten Teil nicht beim IT-Dienstleister.
Dieser Beitrag beschreibt den Ablauf, die Zuständigkeiten und die realistischen Wartezeiten. Die Zahlen zur TI-Pauschale, die Liste der Pflichtanwendungen und die Sanktionsregeln stehen gebündelt auf unserer Seite zur Telematikinfrastruktur, hier geht es um den Weg dorthin.
Wer was verantwortet
Die häufigste Ursache für Verzögerung ist nicht Unwissen, sondern eine falsche Erwartung an die Rollenverteilung. Vier Parteien sind beteiligt, und nur eine davon können wir steuern.
| Wer | Verantwortet | Beeinflussbar durch uns |
|---|---|---|
| Kassenärztliche Vereinigung | Betriebsstättennummer, TI-Selbstauskunft, Auszahlung der Pauschale | nein |
| Kartenherausgeber und Kammer | SMC-B-Praxisausweis, elektronischer Heilberufsausweis | nein |
| Zugangsdienst und Hersteller | Konnektor, Registrierung im TI-Netz, KIM-Dienst | teilweise |
| Praxis mit IT-Dienstleister | Netzwerk, Installation, PVS-Anbindung, Test, Betrieb | ja |
Wenn Sie nach einem Anbieter für die TI-Anbindung suchen, suchen Sie genau genommen nach der vierten Zeile. Konnektor und Karten bekommen Sie überall zu vergleichbaren Konditionen, der Unterschied entsteht bei Einrichtung, Anbindung ans Praxisverwaltungssystem und der Betreuung danach.
Der Ablauf in fünf Schritten
Schritt 1, Bestandsaufnahme. Wir sehen uns Netzwerk, Server, Praxisverwaltungssystem und die vorhandenen Geräte an. Entscheidend ist, ob das Netzwerk die TI-Komponenten sauber aufnehmen kann und welche PVS-Version im Einsatz ist, denn nicht jede Version spricht mit jeder TI-Anwendung. Dauer: ein Termin.
Schritt 2, Karten beantragen. Der Praxisausweis SMC-B wird auf die Betriebsstättennummer ausgestellt, der elektronische Heilberufsausweis auf die Person und läuft über die zuständige Kammer. Beide Anträge durchlaufen Prüfung, Produktion und Versand. Das ist der längste Posten im gesamten Ablauf und der einzige, den niemand beschleunigen kann. Planen Sie mehrere Wochen ein, bei Lieferengpässen der Kartenhersteller entsprechend mehr.
Schritt 3, Komponenten bestellen. Konnektor oder TI-Gateway, Kartenterminals und der Zugangsdienst. Welche Variante für Ihre Praxis sinnvoll ist, hängt an Größe und Standortzahl, die Abwägung steht im FAQ des TI-Hubs. Diese Bestellung läuft parallel zu Schritt 2 und ist kein kritischer Pfad.
Schritt 4, Installation und Registrierung. Jetzt kommt der Arbeitstag: Komponenten einbauen, Konnektor beim Zugangsdienst registrieren, Kartenterminals pairen, SMC-B freischalten, Praxisverwaltungssystem anbinden. Für die Registrierung braucht es einen Termin beim Zugangsdienst, das lässt sich nicht spontan aus der Praxis heraus erledigen.
Schritt 5, Test und Freigabe. Gesundheitskarte einlesen, Versichertenstammdaten abgleichen, ein eRezept signieren, eine KIM-Nachricht senden und empfangen. Erst wenn diese Kette vollständig durchläuft, ist die Praxis angebunden. Ein einzelner funktionierender Schritt beweist nichts, die Kette muss stehen.
Danach folgt der Papierkram, der leicht untergeht: Die TI-Selbstauskunft muss bei der Kassenärztlichen Vereinigung eingereicht werden, sonst bleibt die Pauschale aus, obwohl die Technik läuft.
Wie lange das insgesamt dauert
Ehrlich gerechnet: Von der Entscheidung bis zur abgeschlossenen Testabrechnung vergehen in der Regel sechs bis zehn Wochen. Der Löwenanteil davon ist Wartezeit auf die Karten, nicht Arbeitszeit.
Daraus folgt eine einfache Konsequenz für die Planung. Wenn ein fester Termin im Raum steht, etwa eine Praxiseröffnung oder ein Inhaberwechsel, gehört Schritt 2 an den Anfang und nicht in die Mitte. Alles andere lässt sich parallelisieren.
Woran es in der Praxis hängen bleibt
Die Betriebsstättennummer ist noch nicht geklärt. Ohne sie kein SMC-B-Antrag. Bei Neugründung und Inhaberwechsel ist das der eigentliche Startpunkt, nicht die Technikbestellung.
Das Netzwerk ist nicht vorbereitet. Konnektor und Kartenterminals brauchen erreichbare Netzwerkdosen an den richtigen Stellen. In Praxen mit gewachsener Verkabelung ist das häufiger ein Thema als erwartet.
Die PVS-Version ist zu alt. Manche TI-Anwendung setzt eine Mindestversion voraus. Das fällt am Testtag auf, wenn es niemand vorher geprüft hat, und dann ist ein Update nötig, das seinerseits einen Termin braucht.
Der eHBA fehlt oder ist abgelaufen. Er ist personengebunden und wird gern vergessen, weil er nicht zur Praxisausstattung zählt. Ohne ihn lässt sich kein eRezept signieren.
Niemand fühlt sich für die Selbstauskunft zuständig. Die Technik läuft, die Pauschale kommt trotzdem nicht. Wir weisen darauf hin, einreichen muss die Praxis selbst.
Was nach der Anbindung kommt
Die TI ist kein Projekt mit Enddatum. Konnektor-Zertifikate laufen ab, Anwendungen kommen hinzu, Updates müssen eingespielt werden, und bei einer Störung steht die Sprechstunde. Wer den Anschluss selbst organisiert hat, steht bei der ersten Störung ohne Ansprechpartner da, denn der Hersteller-Support klärt Gerätefragen, nicht die Frage, warum in Ihrer Praxis das Kartenlesegerät seit gestern schweigt.
Wir übernehmen den laufenden Betrieb im Rahmen des Praxis-Wartungsvertrags, die Konditionen stehen offen auf der Seite Was kostet die Zusammenarbeit. Zu den einzelnen Anwendungen finden Sie Details unter KIM und eRezept.
Sonderfälle Neugründung und Inhaberwechsel
Bei einer Neugründung läuft die TI-Anbindung als Teil des Gesamtaufbaus mit, die Reihenfolge und die übrigen Fristen stehen in der IT-Checkliste zur Praxisgründung.
Beim Inhaberwechsel ist der Fall technisch anspruchsvoller, weil eine bestehende Anbindung übergeben statt neu aufgebaut wird. Der Praxisausweis ist an die Betriebsstätte gebunden, eine neue Betriebsstättennummer erzwingt eine neue Karte, und der Konnektor braucht einen Werksreset mit Neuregistrierung. Der vollständige Ablauf steht im Beitrag zum Eigentümerwechsel.
Häufige Fragen
Wie lange dauert der TI-Anschluss einer Arztpraxis? Von der Entscheidung bis zur abgeschlossenen Testabrechnung in der Regel sechs bis zehn Wochen. Der Einbau selbst dauert einen Arbeitstag, der Rest ist Wartezeit auf SMC-B und elektronischen Heilberufsausweis.
Wer schließt meine Praxis an die Telematikinfrastruktur an? Die Installation und die Anbindung an das Praxisverwaltungssystem übernimmt Ihr IT-Dienstleister. Die Karten kommen von Kartenherausgeber und Kammer, die Betriebsstättennummer und die Auszahlung der Pauschale von der Kassenärztlichen Vereinigung. Wir koordinieren die Beteiligten und führen die technischen Schritte aus.
Was muss meine Praxis selbst erledigen? Die Kartenanträge unterschreiben und identifizieren lassen, die eHBA-PIN persönlich setzen und die TI-Selbstauskunft bei der Kassenärztlichen Vereinigung einreichen. Diese drei Schritte kann kein Dienstleister für Sie übernehmen.
Kann ich die TI-Anbindung selbst machen? Technisch ist der Einbau kein Hexenwerk. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die Zeit bei der Registrierung, der PVS-Anbindung und der Fehlersuche verloren geht, und zwar mitten im Praxisbetrieb. Wer es selbst macht, sollte einen Puffer von mehreren Tagen einplanen und wissen, wen er im Störungsfall anruft.
Was passiert, wenn beim Testlauf etwas nicht funktioniert? Genau dafür ist der Testlauf da. Typisch sind eine zu alte PVS-Version, eine noch nicht freigeschaltete Karte oder eine fehlende Berechtigung. Alle drei sind lösbar, brauchen aber je nach Ursache einen weiteren Termin. Deshalb legen wir den Test nie auf den Tag vor der ersten Abrechnung.
Der nächste Schritt
Sagen Sie uns, wo Ihre Praxis steht, also ob die Betriebsstättennummer geklärt ist und welche Komponenten bereits vorhanden sind. Wir sagen Ihnen, welche Schritte in welcher Reihenfolge anstehen und wie lange es bei Ihnen realistisch dauert. Der Praxis-IT-Check ist der schnellste Einstieg, erreichbar sind wir unter 040 20949767 oder über das Kontaktformular.
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